Gemeindebrief Ausgabe IV September - November 2019

Liebe Gemeindemitglieder, 

Kirche und Geld

Das Begriffspaar „Kirche und Geld“ weckt Spannungen. Da ist einerseits die Botschaft des Evangeliums, das Solidarität mit den Armen fordert und vor den Gefahren des Mammons warnt. Und anderseits die Realität, dass sich auch in der Kirche viele Diskussionen ums Geld drehen.

Aber:

Ohne Moos nix los!

Dieser so flapsig klingende Spruch drückt eine weit verbreitete Wahrheit aus.

Ohne Geld läuft nichts - das bestätigt sich immer wieder. Warum sollte das in der Kirche anders sein? Auch hier ist für vieles Geld notwendig und jetzt, wo die Mittel immer mehr abnehmen, fragt sich manch einer beängstigt: Was soll bloß aus unserer Kirche noch werden?

Doch vielleicht liegt gerade in den geringeren finanziellen Mitteln die Chance, andere Möglichkeiten und Ressourcen zu entdecken - sodass doch was los ist, in unserer Kirche.

Ich glaube, eine der Krankheiten unserer Zeit, - auch unserer Kirche - ist, dass wir vor allem nur das sehen, was wir nicht haben.

Wir haben kein Geld - wir haben keine Zeit - wir haben keine vollen Kirchen - wir haben keine Lobby - wir haben keine Jugendlichen und junge Familien in der Gemeinde - wir haben kein Erfolg.

Und vor lauter Nicht-haben werden wir immer kleiner, resignierter, wir fühlen uns unbedeutend, wir ziehen uns zurück in unser Schneckenhaus, bzw. Gemeindehaus.

Wir haben Augen, Mund und Hände! Vielleicht auch Glauben und Hoffnung, die wir an andere weitergeben können.

Wir sollten in einer stillen Minute überlegen, was wir haben - welche Gaben in uns schlummern. Wir sollten uns die Frage stellen: Womit  hat Gott mich persönlich begabt, ausgestattet. Wie und mit welchen Fähigkeiten kann ich mithelfen, Gottes Liebe sichtbar und greifbar zu machen in dieser Welt?

Noch einmal zum Anfang: ohne Moos nix los! Hängt wirklich alles am Geld?

Die Geschichte lehrt uns, dass es auch auf etwas ganz anderes ankommt.

Darauf, dass wir wissen, was wir haben!

Dann können kleine und große Wunder vor und hinter der Kirchentür geschehen. Mit uns und an uns!

So wünsche ich Ihnen und Ihrer Familie, eine gesegnete Zeit.

 

Ihr

Ernst Halbe, Pfarrer

  

Gemeindebrief Dezember 2017 - Februar 2018

 

Liebe Gemeindemitglieder,

„...über denen, die im Land der Finsternis wohnen, strahlt ein Licht auf.“

Die Advents- und Weihnachtszeit spricht in jedem Jahr eine tiefe Sehnsucht in unserem Leben an: Die Sehnsucht nach Freude, nach Frieden und Glück, nach einem sinnvollen Dasein.

Sie ist eine innere Kraft, die uns leben lässt.

Würden wir ihr keinen Raum mehr geben, würden wir aufhören zu leben. Unsere Sehnsucht zielt nicht ins Leere. Sie kann Erfüllung finden, nicht nur an Weihnachten.

Die Verkündigung der Heiligen Nacht erinnert an das Wort des Propheten Jesaja: „Das Volk, das im Dunkel lebt, sieht ein helles Licht; über denen, die im Land der Finsternis wohnen, strahlt ein Licht auf.“ Zunächst spricht der Prophet mit diesem Wort das auserwählte Volk Israel an in einer Zeit, in der Israel in der Fremde lebt. Die Sehnsucht nach der Heimkehr, nach der Heimat aber ist nicht verloren gegangen.

Das Wort des Propheten aber ist auch in unsere Zeit und in unser Leben hineingesprochen. Auch wir erfahren unsere Welt und oft auch unser Leben mit vielen Dunkelheiten. Menschenverachtender Terror, sinnlose Gewalt, mangelnde Dialogbereitschaft füllen die Schlagzeilen der Medien, Alleinsein, zerbrochene Beziehungen, menschliche Enttäuschungen, Einsamkeit, Krankheit, Leid begleiten eher im Stillen das Leben vieler Menschen auch in unserer Gemeinde.

Weihnachten ist die Antwort Gottes auf dieses Dunkel und die Fragen, die uns bedrängen. Gott gibt diese Antwort nicht in klugen Erklärungen, erst recht nicht, indem er das Dunkel und das Böse mit Gewalt vertreibt, sondern in Jesus, der selbst Mensch wird und dieses Leben mit uns Menschen teilt. Er lässt sich auf unsere Welt und unser Leben ein und teilt mit uns das Leben. Er lädt uns ein, im Glauben an ihn unser Menschsein zu verstehen und zu leben. So können wir erfahren, dass unsere Sehnsucht nach Freude, Frieden, Glück nicht ins Leere geht, sondern eine Antwort findet.

So wünsche ich Ihnen und allen die zu Ihrer Familie gehören zu Beginn des neuen Kirchenjahres eine besinnliche Vorbereitung auf das Fest der Menschwerdung Gottes.

Ein frohes, gesegnetes Weihnachtsfest und ein gutes, zufriedenes Jahr 2018.

 

Ihr

   Ernst Halbe, Pfarrer