Gemeindebrief Mai - Juli 2017

Liebe Gemeindemitglieder,
Was feiern wir eigentlich an Pfingsten?
Der Wiener Liedermacher Christoph Drexler und Lollo (Lorenz) Pichler haben über das Pfingstfest ein weltliches Lied geschrieben, das humorvoll und treffend widergibt, wodurch sich Pfingsten in unserer Wahrnehmung so auszeichnet: Wir haben frei, hier bei uns ist es Spätherbst, auf der westlichen Halbkugel kommt der Frühling, es gibt keinen Stress mit Geschenken und Familienbesuchen.
In dem Lied heißt es:
„Gut verteilt über das Jahr gibt es viele schöne Feste
Und die meisten denken Weihnachten wär‘ das Beste
Und auch Ostern ist im Allgemeinen sehr beliebt
Doch ich weiß, dass es da etwas besseres gibt
Nur ich weiß nicht so recht, wann genau das ist
Und ich weiß eigentlich nicht, was der Grund dafür ist
Nur irgendwas hat’s mit dem heiligen Geist zu tun
Die Details haben wir vergessen, doch wir sagen euch nun:
Es geht um Pfingsten, unser Lieblingsfest
Denn im restlichen Jahr sind wir genug gestresst
Doch jetzt ist Pfingsten, und die Bäume blühen
Und zu Pfingsten muss man sich um nichts bemühen.
(…)“
Ja, Pfingsten – da sind, zumindest im deutschsprachigen Raum, meist auch Pfingstferien oder zumindest ein verlängertes Wochenende, weil der Pfingstmontag da ebenfalls ein Feiertag ist und darum ist das Fest durchaus beliebt.
Dennoch: Pfingsten steht nicht so im Mittelpunkt, wie Weihnachten und Ostern, dabei ist es eines der wichtigsten Feste im Kirchenjahr. Keine Geschenke, kein Baum, keine Eier, dafür geht es irgendwie um den Heiligen Geist. Worum es beim Pfingstfest eigentlich geht, ist kaum im Bewusstsein. Geburtstage sind ja immer ein Anlass, zu feiern und so kann man sich auch das Pfingstfest als Geburtstagsfest vorstellen – nicht das von Jesus Christus – sondern das der Kirche selbst.

Die erste christliche Gemeinschaft entstand
50 Tage nach dem Pessachfest (Sieben Wochen plus einen Tag) trafen sich die Anhänger Jesu zum jüdischen Erntedankfest, dem Schawuot. Das Wort „Pentecoste“, von dem sich unser Wort „Pfingsten“ herleitet, bedeutet „fünfzigster Tag“.
Was geschah an diesem Tag?
Der Tag war ein Festtag in der Jerusalem. Viele Menschen aus unterschiedlichen Regionen waren dort. Auch die Jünger hatten sich nach Jerusalem begeben. Allerdings hatten sie Angst, auch Sie könnten, wie 50 Tage zuvor, Jesus, gefangen genommen und getötet werden.
Sie saßen in einem Haus zusammen und beteten, als etwas ganz Ungewöhnliches geschah. In der Einheitsübersetzung wird dies in der Apostelgeschichte wie folgt beschrieben:
1 Als der Tag des Pfingstfestes gekommen war, waren alle zusammen am selben Ort.
2 Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen.
3 Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder.
4 Und alle wurden vom Heiligen Geist erfüllt und begannen, in anderen Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab. Apg 2,1-4
(Einheitsübersetzung, neue Ausgabe 2016)
Und dieses Ereignis wird als Pfingstwunder bezeichnet: die Jünger konnten in verschiedenen Sprachen sprechen, so dass alle sie verstanden, egal ob sie Griechen, Römer, Araber oder Ägypter waren. Was Petrus über Jesus und seine Lehren erzählte, begeisterte viele Menschen. 3000 Frauen und Männer ließen sich an diesem Tag taufen. So entstand die erste christliche Gemeinschaft und darum sprechen wir auch vom Geburtstag der Kirche.
Komm, Heilger Geist, der Leben schafft
1. Komm, Heilger Geist, der Leben schafft, erfülle uns mit deiner Kraft. Dein Schöpferwort rief uns zum Sein: nun hauch uns Gottes Odem ein.
2. Komm, Tröster, der die Herzen lenkt, du Beistand, den der Vater schenkt, aus dir strömt Leben, Licht und Glut, du gibst uns Schwachen Kraft und Mut.
3. Dich sendet Gottes Allmacht aus im Feuer und in Sturmes Braus; du öffnest uns den stummen Mund und machst der Welt die Wahrheit kund.
4. Entflamme Sinne und Gemüt, dass Liebe unser Herz durchglüht und unser schwaches Fleisch und Blut in deiner Kraft das Gute tut.
5. Die Macht des Bösen banne weit, schenk deinen Frieden allezeit. Erhalte uns auf rechter Bahn, dass Unheil uns nicht schaden kann.
6. Lass gläubig uns den Vater sehn, sein Ebenbild, den Sohn, verstehn und dir vertraun, der uns durchdringt und uns das Leben Gottes bringt.
7. Den Vater auf dem ewgen Thron und seinen auferstandnen Sohn, dich, Odem Gottes, Heilger Geist, auf ewig Erd und Himmel preist. Amen
(Text: “Veni Creator Spiritus”,
Übertragung Friedrich Dörr[1969] 1972 - siehe auch Gotteslob Nr. 342)
So wünsche ich Ihnen und Ihrer Familie, ein frohes und gesegnetes Pfingstfest.
Ihr
Ernst Halbe, Pfarrer